Umgang mit Journalisten

  • MODUL: Umgang mit Journalisten
  • Laufzeit: 3 Monate (für Einzelmodul)
  • Gebühr: 30 €

Inhalt

Was erwartet den Künstler, wenn er auf einen Journalisten trifft? Wie bereitet man sich am besten vor? Jeder Künstler träumt davon in unterschiedlichen Medien wahrgenommen zu werden. Doch was erwartet einen Künstler, der das erste Mal in seinem Leben einem Journalisten gegenübersitzt? Wie man sich am besten auf ein Interview und auf die Situation vorbereitet, was man vermitteln will und wie man ein Gespräch steuern kann, erfahren sie in diesem Modul.
 
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Vom Umgang mit Journalisten

 

o   Interview-Situationen

o   Die Vorbereitung

§  Wie will ich mich dargestellt wissen?

§  Was will ich als Aussage transportieren und was nicht?

o   Unerwartete Fragen meistern

 

 

Jeder hat doch irgendein Ziel, wenn er von „der Presse“ spricht und in ihr vorkommen will, richtig?

 

Die Frage ist: Was sind die gängigen Formate der Presse, wenn es sich nicht um CD-Rezensionen und beispielsweise Konzertbesprechungen handelt?

 

 

Interview-Situationen

Die Antwort ist recht einfach: es sind meist Gespräche mit Journalisten oder besser gesagt Interviews.

Es gibt unterschiedliche Arten des Interviews, wovon Sie sicherlich schon die ein oder andere kennengelernt haben:

-          Fernseh- und Rundfunkinterviews

-          Interviews für Zeitungen, Zeitschriften und Magazine

 

Bei Fernseh- und Rundfunkinterviews wird es sich nur in den seltensten Fällen um sogenannte Live-Interviews handeln. Meist werden die Aufnahmen noch geschnitten.

 

Aber: ein verworrener Satzbau, stammeln und stottern, häufig benutzte Füllwörter wie „äh“, „ja also“ etc. und in Permanenz benutzte Lieblingsfloskeln/-wörter lassen sich nicht in Vollständigkeit wegschneiden. Dies führt also recht schnell zu einer Außendarstellung, die Sie so sicherlich nicht gewollt haben.

 

Am meisten wird sich Ihnen sicherlich die Möglichkeit eröffnen, ein Interview für Tageszeitungen, Zeitschriften und Magazine zu geben.

Aber auch hier gibt es unterschiedliche Gesprächs-/Interviewsituationen:

-          Das Gespräch bei einem persönlichen Treffen

-          Das Telefoninterview

-          Der vorgefertigte Fragenkatalog (meist per E-Mail)

 

Prinzipiell gilt es, dass Sie – egal welcher Interviewsituation Sie sich stellen müssen und wollen – sich gut vorbereiten. Wer das Modul Imagebildung/Selbstdarstellung erarbeitet hat, wird es einfacher bei der Vorbereitung auf ein Interview haben.

 

 

Die Vorbereitung

Es sind die Treffen und entsprechend die Gespräche mit Journalisten, die als tragende Säule der heutigen Pressearbeit in der Praxis vorkommen. Doch wie begegnet man Journalisten, die man niemals zuvor gesehen hat? Was will man genau von ihnen, was sollen sie später von einem denken, was über einen schreiben?

 

Nun, die Antworten auf diese wichtigen Fragen liegen eigentlich auf der Hand:

-          Man will gegenüber der Öffentlichkeit positiv wirken,

-          will aber auch, dass vielleicht mögliche professionelle Kontakte das Geschriebene oder aber das im Rundfunk/Fernsehen Gesendete lesen oder hören und sich daraus wiederum neue Möglichkeiten für das eigene professionelle Leben ergeben.

 

Man sollte also gut vorbereitet sein, auf die Fragen der Journalisten. Wie macht man das?

 

Je nachdem, wie Sie im Vorfeld eine Anfrage für ein Interview erhalten, haben Sie die Möglichkeit, Fragen zu stellen, die Ihre Vorbereitung vereinfachen kann.

  • Was ist der Anlass für das Interview?
  • Wann soll das Interview stattfinden?
  • Wie heißt der Journalist, wie ist er für Rückfragen zu erreichen?
  • Für welche Art von Medium geht es?
  • Soll das Interview per Telefon geführt werden?
  • Wie lautet genau das Thema und gibt es eine Zielrichtung?
  • Steht das Interview in einem Zusammenhang, z. B. mit anderen Beiträgen, steht das Interview? (z. B. „Paare die Leben und Beruf teilen“ – beliebt für Duos, die auch Lebenspartner sind. Oder „Leistungsdruck im Kindesalter“ etc.)
  • Wird noch jemand anderes in diesem Zusammenhang befragt – evtl. also eine Kontroverse oder ein Vergleich thematisiert?

Auch wenn über Thematik und Ziel vielleicht keine Antwort gegeben wird (oder werden kann), können einige Fragen bzw. deren Beantwortung Ihnen eventuell eine grobe Richtung weisen Wichtig ist natürlich der genaue Ort und Zeitpunkt, bei deren Auswahl Sie in jedem Fall mitreden können. Und dass Sie wissen, wer der Interviewer, also der Journalist ist, versteht sich von selbst. So können Sie sich im Vorfeld noch besser vorbereiten.

 

Nun bereiten Sie sich ganz in Ruhe vor.

Gehen Sie davon aus, dass Menschen sich für Menschen interessieren. Wir wollen lesen, hören und sehen, was andere Menschen Besonders macht, was sie Besonderes erlebt und gefühlt haben. Und genau das muss im Interview zum Tragen kommen.

Sie als Künstler verkörpern durch Ihre Berufswahl und Ihr Können für die meisten Menschen etwas Unerreichbares und Unfassbares und deshalb Bewundernswertes. Wenn Sie sich dessen bewusst sind, wird die Vorbereitung wesentlich leichter. Gewähren Sie anderen einen – wenn auch gut vorbereiteten – „Blick hinter die Kulissen“.

Stellen Sie sich vorab immer auch die Frage, welche Art von Medium der Journalist, der Ihnen gegenüber sitzt vertritt und welche Zielgruppe dieses Medium anspricht. Ohne anderen Kollegen nahe treten zu wollen, ist es ja oftmals so, dass auch Journalisten wie Konzertliebhaber reagieren können, wenn es um die Naivität rund um das Wissen eines Berufs als Musiker geht. Das werden sie vielleicht auch schon selbst erfahren haben, dass Journalisten von Tageszeitungen ganz andere Dinge fragen, als solche von Fachmagazinen oder vom Rundfunk (wobei es auch da auf den Sender ankommt, der ja auch ein regionaler ohne Spezialisten für alle Bereiche sein kann).

Aber Vorsicht: Das hört sich einfach an, ist es aber nicht! Z. B.: Man fragt Sie, was der Höhepunkt Ihrer Karriere war? Ihnen fallen sicherlich mehrere Höhepunkte ein, aber jetzt gilt es sich zu beschränken und abzuwägen, was für die jeweilige Zielgruppe am interessantesten sein könnte. Der Laie kann sicherlich etwas mit dem Auftritt in der Carnegie Hall anfangen, während der Profi vielleicht eher Interesse daran hat, mit welchem Dirigenten Sie konzertierten. In jedem Fall muss das Gesagte spannend und authentisch, mitreißend und nicht zu langatmig sein. Bitte beachten Sie auch, dass Sie Ihre Wortwahl auf das Medium abstimmen. Fachausdrücke z. B. eignen sich nicht für die regionale Tagespresse!

Sie merken schon, dies alles erfordert eine sehr gute Vorbereitung!

Deshalb sollte man entweder – wie immer im realen Leben – üben, oder aber sich im Vorfeld präzise Gedanken machen. Darüber, wie man sich selbst darstellen will, welche Ziele man mit dem Gesagten verfolgt, wie man als Persönlichkeit wahrgenommen werden will.

Es gilt immer: Man sollte sich selbst soweit wie möglich wahrheitsgetreu darstellen. Natürlich kann man auch ein Bild von sich selbst kreieren, das vielleicht weniger der wahren Persönlichkeit entspricht, aber vielleicht mehr Aufmerksamkeit erregen könnte. Wir kennen alle Bespiele für recht ungewöhnliche biografische Vorkommnisse, die dann eine Art von Medienhype ausgelöst haben. Hélène Grimaud mit ihren Wolfen ist da sicherlich ein probates Beispiel, das gezeigt hat, dass dies vor allem auch Medien außerhalb der fachspezifischen Magazine interessiert hat. Aber dennoch wage ich zu behaupten, dass Hélène Grimaud zu dieser Zeit recht authentisch war. Dass sie dieses Thema später dafür nutzte, weiterhin in den Medien präsent zu sein, steht auf einem anderen Blatt.

 

Grundsätzlich gilt es darauf zu achten, dass man auch in einer womöglich sehr persönlichen Atmosphäre - die ein gewiefter Journalist immer aufzubauen versucht - niemals ins „Erzählen“ gerät, also Dinge sagt, die man vielleicht gar nicht erzählen will.

Das ist das Geheimnis der Vorbereitung: Dass man eine Lockerheit und eine gewisse Spontaneität beibehält, die aber dennoch vorbereitet ist.

Dass man nicht alles planen kann, ist klar. Aber das ist durchaus vergleichbar mit der Musik: Sie üben und versuchen auf alle Eventualitäten vorbereitet zu sein. Letztendlich aber wollen Sie sich auch immer eine gewisse Portion an Spontaneität beibehalten, da sonst alles statisch wirkt.

Ansonsten wäre es nämlich so, als würden sie ein sogenanntes E-Mail-Interview geben bzw. einen Fragenkatalog beantworten, bei dem Sie Fragen erhalten.

Meistens klingt dies später sehr statisch, da Sie eine Text ausformulieren und zu lange die Möglichkeit hatten, sich Gedanken zu machen.

Natürlich sollte es die Aufgabe eines Journalisten sein, die Sprache bzw. Ihre Antworten so wiederzugeben, dass man Sie als Person lebendig erlebt. Aber nur aus einer guten Vorlage, kann auch ein gutes Endresultat hervorgebracht werden.

Bedenken Sie, dass bei der Aufbereitung eines Interviews auch die non-verbalen Eindrücke der Gesprächssituation mit in das Porträt einfließen werden, bzw. durch etliche Adjektive ihren Ausdruck finden.

Es sollte einem bewusst sein, dass man nicht nur im gesprochenen Wort nach außen wirkt, sondern auch durch seine Körpersprache wirkt. Dies ist vergleichbar mit der Bühnensituation (vgl. Modul Bühnenpräsenz). Insofern gilt es, seine Körpersprache zu kontrollieren und im besten Fall bewusst einzusetzen. Machen Sie sich bewusst, welche – körpersprachlichen - Angewohnheiten Sie beim Sprechen haben und evaluieren Sie diese – beurteilen Sie sich selbst. Dazu finden sich noch weitere Tipps und Anregungen im Modul Gesprächskonzerte.

 

Unerwartete Fragen meistern

Wie reagiert man nun auf vollkommen unangebrachte Fragen: Beispielsweise nach der Religion, nach der sexuellen Ausrichtung, nach den privaten Lebensumständen? Das alles sind Fragen, die eigentlich nicht in die Öffentlichkeit gehören, oder?

 

Nun, man kann drei Dinge tun

 

  1. Man kann klarstellen, dass man darüber nicht sprechen will. Das kann zur Folge haben, dass spekuliert wird. Oftmals beispielsweise über die sexuelle Ausrichtung.
  2. Man kann ganz professionell Geschichten erfinden, die man immer in Interviews wiederholt, so dass irgendwann eine Art von Wahrheit daraus entsteht.
  3. Am besten aber ist, dass man auf ein anderes Thema ausweicht, das so spannend ist, dass der Journalist darüber vergisst, worauf er eigentlich hinaus wollte – das funktioniert oftmals … Allerdings sollte man sich auch dafür eine Art von Strategie überlegen, damit es auch in diesem Bereich nicht zu einer lächerlichen Situationen kommt.

Wie man das macht? Beispielsweise indem man überlegt und dann sagt: „Ich verrate Ihnen ein Geheimnis“ oder „Ich verrate Ihnen ein anderes, viel spannenderes Geheimnis über mich“. Das kann über eine kommende CD-Aufnahme sein, mit wem man zusammenspielen wird, oder etwas vollkommen anderes.

 

 

Halten wir fest:

 

-          Es verlangt schon eine gute Vorbereitung, will man auf womöglich pseudo-investigative Fragen richtig antworten.

 

Grundsätze

 

Grundsätzlich sollten zwei Voraussetzungen gegeben sein, um ein Interview erfolgreich zu führen:

  1. Man sollte immer wahrheitsgemäß erzählen.
  2. Man sollte sein Gegenüber niemals unterschätzen.
  3. Man sollte den Journalisten immer achten als einen Vertreter der wichtigen Presse.

Daher sollte man niemals – auch um ernst genommen zu werden – nach einem Abgleich des Interviews vor Drucklegung fragen, also einer Vorab-Korrektur. Das hat sich zwar eingebürgert und ausgerechnet der „Spiegel“ hat dies irgendwie eingeführt. Aber mittlerweile glauben Künstler, Agenturen und andere Künstlervertreter ja schon, dass es eine gesetzliche Grundlage dafür gibt, ein gesprochenes Wort vor Abdruck freigeben zu dürfen. Dem ist nicht so – und ehrlich gesagt fragen nur die unbekannteren Künstler danach, die erfahrensten fragen so gut wie nie.

 

Natürlich gibt es neben der Interview-Situation auch andere Momente, in denen man auf Journalisten trifft: Konzerte anderer Künstler, Besuche der Journalisten in der Geradrobe nach eigenen Konzerten, Empfänge, Wettbewerbe etc.

 

Ihnen sollte immer klar sein: Auch wenn Sie einen Journalisten bereits mehrmals getroffen haben, wenn Sie ihn vielleicht schon kennen: Er bleibt doch immer Journalist … Das soll heißen: Sie sollten immer auf der Hut sein (je nach Journalist und dem Medium, das er vertritt). Denn letztendlich kann eine nicht offizielle Situation so gelockert (und vielleicht sogar mit Alkoholgenuss verbunden) sein, dass Sie unaufmerksam werden und tatsächlich Geheimnisse von sich verraten, die sie nachher bereuen. Das kann allerdings auch dem Journalisten so gehen. Dann wären Sie im Vorteil, nur dass Sie Ihr Wissen nicht veröffentlichen, ein Journalist aber durchaus schnell eine „Story“ wittern kann.

 

Allerdings sollten Sie – bei aller Vorsicht – ein gutes Verhältnis zu Journalisten pflegen, denn sie sind diejenigen, die Karrieren mitentscheiden können, die nicht nur die öffentliche Meinung zu beeinflussen imstande sind, sondern auch die Meinung von Label-Managern, Agenturen oder anderen wichtigen Entscheidern. Denn meist verfügen gerade die Journalisten des Klassik-Marktes über ein sehr ausgeprägtes Netzwerk innerhalb der Branche.

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